4. Sonntag nach Trinitatis
Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!
Johannes der Täufer sprach:<***> Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.

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Die Jakobuskirche bedankt sich für Ihre neues Dach

Die Jakobuskirche bedankt sich für Ihr neues Dach

DachdankGodiMalkwitz

Meine liebe Gemeinde, sehr gehrte Damen und Herren,

seit einiger Zeit versuche ich es zu vermeiden, in und mit der Jakobuskirche alleine zu sein. Es ist nämlich so – dass vor solchen Events wie diesem, von ihr Gefahr für mich ausgeht. Ich kenne sie: plötzlich ist sie in meinem Ohr und ich höre ihre unverwechselbare klare Stimme – was in aller Regel damit endet, dass ich einen Arbeitsauftrag bekommen habe. Sie scheint es zu mögen, mich als Sprachrohr zu verwenden. Vor kurzem sagte sie frech, als Pfarrer sei es geradezu meine Aufgabe, mich als Sprachrohr zur Verfügung zu stellen. „Ein Pfarrer ist eine Posaune Gottes“ sagte sie, „auf der auch und gerade seine Kirche spielen darf.“

Darauf ist mir nichts mehr eingefallen – und so beschloss ich, mich einfach so wenig wie möglich alleine bei unserer Kirche blicken zu lassen. (Sie spricht nämlich nur, wenn ich alleine mit ihr bin.)

Das alles half freilich nichts … was Sie schon daran merken, dass ich hier stehe ...

Es war diese Woche Dienstag Abend. Mein Arbeitstag war lang gewesen und ich saß alleine gemütlich zuhause – das Feuer knisterte im Ofen und ich hatte mir soeben einen wunderschön kühles Augustiner-Dunkel eingeschenkt und dachte dankbar und in ökumenischer Offenheit, welch köstliches Bier wir den Mönchen doch verdanken.

Und wie ich so da saß, hörte ich eine mir wohlvertraute Stimme:

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss halt der Berg zum Propheten kommen.

Ich sehe hier weder einen Berg noch einen Propheten, brummte ich.

Du weißt genau, was ich meine: wenn der Pfarrer nicht zur Kirche kommt, dann kommt eben die Kirche zum Pfarrer …

Ich versuchte mein Glück mit Schweigen…

Was machst du denn gerade? … Ich erlebte die Frage als scheinheilig.

Spielst du mit dir selber?

Ich bereite mich gerade vor, sagte ich und versuchte respektvoll zu wirken.

Ich hatte das Brettspiel „Pfarrer hilf!“ vor mir aufgebaut – das hatte mir meine liebe Gattin zu Weihnachten geschenkt. Es ist für zwei Personen und es geht darum, ein Dorf mit einer Kirche im Zentrum aufzubauen. Gewonnen hat, wer das als erster schafft. Wenn ein Haus oder die Kirche nicht mehr ziehen kann, so darf man „Pfarrer hilf!“ rufen – dann wird das eingesperrte Haus/Kirche durch den Pfarrer ersetzt. Die einzige und entscheidende Aufgabe des Pfarrers ist es also, als Lückenbüßer zur Verfügung zu stehen und sich nach Bedarf hin und her schieben zu lassen. … (Ich weiß nicht, ob der Erfinder des Spieles selbst Pfarrer gewesen ist.)

Ich war gerade dabei gewesen gewesen, mir für die nächste Partie geschickte Spielzüge zu überlegen, als die Jakobuskirche mein Ohr erreichte und ich ihre Stimme hörte.

Duuuu .. sagte sie … mit einer Stimme, die mich sehr an meine Kids erinnerte, wenn sie etwas von mir wollen – duuuu, ich habe gehört, am kommenden Sonntag gibt es was zu feiern bei mir.

Ja, sage ich: dass du endlich wieder dicht bist!

Ich war nie undicht!

Aber, stimmt: ich habe wirklich ein schönes, neu abgedichtetes Dach bekommen.

Genau: und dafür wollen wir all' den freundlichen und großzügigen Menschen danken, die mit ihrer Spende dieses dein schönes Dach ermöglicht haben. Und natürlich denen, die tatkräftig mitgeholfen haben, dass das Ganze verwirklicht wird.

Ja, sagt sie. Bis in die letzten mir selbst nicht bekannten Winkel meines Innenlebens ist Architekt Philipp geklettert – das hat vielleicht gekitzelt. Und so viele Handwerker haben sich so viel Mühe gegeben, dass ich wieder aussehe wie neu. Und so viele nette Männer waren mit mir beschäftigt …

Als sie das sagte, hatte ich das Gefühl, dass sie wie ein junges Mädchen leicht errötete.

Und habt ihr schon bedacht, wie ihr das macht? fragte die Jakobuskirche.

Oh – du reimst ja mit deinem neuen Dach!

Und was sich reimt, ist gut!“ das weiß schon der Pumuckl.

Na ja, sage ich, wir werden einen schönen Gottesdienst feiern und dann in geeigneter Weise all denen, die an deinem neuen Dach beteiligt gewesen sind, danken.

Wie ich dich kenne, soll ich da von dir viele Grüße ausrichten und wahrscheinlich auch ein jakobus-kirchliches „Vergelt's Gott!“

Natürlich, sagte sie. Aber ich würde mir noch ein bisschen mehr wünschen.

Aha? Ja – ich höre?

Also: ich werde heuer ja 64 Jahre alt … begann sie.

Erinnere mich nicht daran! – (Wir sind nämlich gleich alt!)

und ich habe in 64 Jahren an 52 Sonntagen Predigten gehört. Das sind 3.328 Predigten. Plus 10 Feiertage pro Jahr macht insgesamt ungefähr 4000 Predigten.

Okay – mit deinem neuen Dach kannst du nicht nur reimen – sondern auch rechnen

Und worauf willst du jetzt hinaus … ?

Ganz einfach: ich würde gerne mal selber eine Predigt halten.

In mir drinnen quasi.

Aha – quasi … Die Jakobuskirche predigt selber …

Genau …

Ich spürte einen Nebel in meinem Kopf aufziehen bei der Vorstellung, dass die Jakobuskirche in ihrer Kirche selber eine Predigt hält.

Um irgend etwas zu sagen, sagte ich:

Ich bin da der Falsche. Da musst du dich an unseren Pfarrer Martin Zöbeley wenden.

Das will ich nicht – dann meint er, er hört Stimmen und ist verunsichert.

Ich glaube nicht, dass ihn so was (noch) verunsichern kann …

Außerdem hat er ein hervorragendes Gehör.

Kann schon sein – aber ich wollte eben dich fragen –

Ja?

Könntest du nicht …

Schlagartig war mir klar, was sie wollte und ich rief:

nein – ich schreibe dir keine Predigt … Ich bin nicht dein Ghostwriter. Vielleicht solltest du dich da an unsere Bürgermeisterin wenden ...

Das meine ich doch gar nicht .. du müsstest sie nur halten … als mein Sprachrohr … Als Pfarrer wird man doch als Verkünder ausgebildet. Als Verkünder der guten Nachricht.

Und was wäre deine gute Nachricht? Worüber möchtest du predigen?

Über Lukas 17 – „Das Gleichnis von den unnützen Knechten“

Ich war überrascht: woher weißt du, dass das am kommenden Sonntag dran ist?

Du darfst nie vergessen: ich bin die Jakobuskirche. So wie ich in dein Ohr kommen kann, kann so manches in mein Ohr kommen.

Gut, sagte ich. Und ich fühlte mich ähnlich, wie am Ende des Spiels von „Pfarrer hilf“, wenn ich sah, dass ich nicht mehr gewinnen konnte.

Und was soll ich für dich predigen?

Du sagst einfach folgendes:

Liebe Gemeinde, liebe Alle, die Ihr am Gelingen meines neuen Daches mitgewirkt habt!

Für Eure großzügigen Spenden durch die es in kurzer Zeit möglich war, ein neues, wohl isoliertes und energiesparendes Dach zu erhalten, bin ich Euch sehr, sehr dankbar. Ich will da jetzt gar nicht viele Namen aufzählen. Ich habe dem Gemeinderat und unserer Bürgermeisterin zu danken, dem Architekten, Herrn Philipp, der Dachdeckerfirma Mertl, den Damen und Herren des Kirchenvorstands, hier noch einmal besonders dem Bauausschuss, und nicht zu vergessen unser Oberfundraiser und ungemein kreativer Geldeintreiber: Pfarrer Martin Zöbeley!“

Prima – Das sage ich gerne.

Halt – ein bisschen was kommt noch dazu.

Ja?

Und ich bin nicht der Meinung, dass Ihr mir das schuldig gewesen seid. Im Gegenteil: es ist für mich weitest weg von 'selbstverständlich', eine Kirche in einer derart großzügigen und hilfsbereiten Gemeinde sein zu dürfen.

Wenn ich da an so manche Kirchen-Kollegin denke, die jetzt als Disco oder ich weiß nicht was herhalten soll – oder einfach abgerissen worden ist …

Aber, meine liebe Jakobus-Gemeinde,

es ist eine Falle, wenn ich mir darauf irgend etwas einbilden würde. Es ist mein ganz eigenes Schicksal – nicht mehr und nicht weniger – diese Jakobuskirche hier bei Euch in Pullach geworden zu sein.

Meine Bedeutung als Kirche besteht darin, für Euch da zu sein. Ich biete Euch einen Raum an für Eure Gebete, für Eure Gottesdienste, für Eure KV-Sitzungen, für Euren Kleidermarkt, für Eure Jugend, für den Chor, für „Sonntag um sechs“ und für vieles mehr ....

Das ist mein Nutzen für Euch. Oder meine Bedeutung für Euch.

Und wenn ihr mich pflegt, dann halte ich länger durch. Kann ich Euch länger nützlich sein.

Aber vor Gott – zerfalle ich irgendwann zu Staub genauso wie ihr …

Vor Gott bin ich genauso unnütz wie ihr …

Meine und Eure Aufgabe ist es, diese Nutzlosigkeit anzunehmen.

Und mit einem Lächeln zu sagen:

Danke, lieber Gott.

Oder mit Meister Eckhart: „Wäre das Wort Danke das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.“

Nicht: danke, dass es mir so gut geht, danke dass ich nicht leer stehe, danke dass ich nicht zerbombt bin – einfach nur: DANKE!

AMEN antwortete ich – wenn das so ist, dann bin ich gerne dein Sprachrohr, meine liebe Jakobuskirche.

Na – dann will ich dich nicht länger aufhalten. Du wolltest ja noch üben für das nächste „Pfarrer hilf“-Spiel mit deiner Frau.

Weißt du – wir Frauen haben es da etwas leichter, Hilfe anzunehmen …

sagte sie noch und schien mir dabei schelmisch zu lächeln …

Einführung von Pfarrer Martin Zöbeley

Begrüßungstoast von Lothar Malkwitz anlässlich der Installation von Pfarrer Martin Zöbeley in der Pullacher Jakobusgemeinde

 

Zobeley Einfuhrung 2015

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

seit ich mich der Jakobuskirche als Medium zur Verfügung stellte – vielleicht erinnern Sie sich: anlässlich ihres 60. Geburtstages hatte sie mich gebeten, ihre eigene Geburtstagsrede vorzutragen – also: seither hat sich zwischen uns ein gutes und offenes Verhältnis entwickelt. Manchmal, wenn ich alleine in der Kirche sitze, höre ich die mir vertraute Stimme: "Wir müssen reden!" "Klar", sage ich, "nur zu. Was hast du auf dem Herzen"? Und dann erfahre ich, dass eine Kirche eben auch nur eine Kirche ist – und genauso Gefühle hat wie Sie und ich. Z.B. "Mir ist es peinlich, dass mich die Leute an Weihnachten so verrußt sehen." Ich sage: "da mach dir mal keine Gedanken, es geht ja an Weihnachten in erster Linie um die Weihnachtsbotschaft. Und nicht um so was Äußeres." "Der Ruß ist nichts Äußeres“ – antwortet sie spitz. „Er ist in meinem Inneren, und zwar an zentraler Stelle – rings um den Altar!" Manchmal plagen sie Ängste: "meinst du, der neue Pfarrer möchte mich wieder umbauen?" "Keine Ahnung", sage ich. "Aber ich kann dich beruhigen: wir haben kein Geld!" "Gott sei Dank" seufzt sie dann erleichtert. Es ist aber auch anders herum.

 

"Du denkst immer nur an dich und ob du wieder umgebaut wirst“, sage ich etwas patzig. "Ich hab im Moment echt andere Probleme.“ "Na, dann lass uns reden", sagt sie und schmunzelt. „Ich höre dir auch zu!“ "Ich soll einen Toast aussprechen zur Begrüßung von unseren neuen Pfarrer, Herrn Zöbeley“ „Na“ sagt sie, „so was machst du doch gern! Wo ist das Problem?“ „Dass ich nicht so recht weiß, was ich da sagen soll?" „Sag bloß, dir fällt nichts ein!“ Sie lacht. Ich nicke stumm. „Das glaub ich nicht – dir fällt doch immer was ein!“ „Vielleicht hab' ich einen burnout?“ Diese Bemerkung meinerseits übergeht sie höflich. „Wenn einem nichts einfällt, dann hat das Gründe“, sagt sie streng, „Und die liegen im Unbewussten. Wahrscheinlich ist es ein unbewusster Konflikt, der dich blockiert.“ Es ist ein merkwürdiges Gefühl, von jemand Anderem zu hören, was man selber zu sagen pflegt. Ich ziehe es vor „mhm“ zu brummen und zu schweigen. Sie setzt noch eins drauf: „Du sollst ja als Vikar einmal gesagt haben, deine schönste Zeit war, als dein Mentor nach Griechenland ging und sein Nachfolger noch nicht da war. Vielleicht hast du einen Autoritätskonflikt? Dass du unbewusst den Pfarrer mit deinem Vater...“ „Langsam“, sage ich, „bitte keine wilden Deutungen! Auch nicht von einer Kirche.“ „Ich wollte dir nur helfen“, sagt sie leicht beleidigt. „Ja, ja, schon gut.

Aber ich glaube – es geht um was Anderes. ...“ Schweigen. „Woran denkst du gerade?“ fragt sie mich fast liebevoll. ,„Sag mal ganz ehrlich“ antworte ich: „Was – wenn er gar kein wirklicher Pfarrer ist?“ „Du meinst er tarnt sich nur als Pfarrer? Ein Pfarrer under cover? - Dann würde er ja gut zu euch passen,“ fügt sie trocken hinzu. „Ich bin mir eigentlich sicher“, antworte ich. „Er vereinigt in sich alle Elemente eines Topagenten: er wirkt sympathisch, sogar ehrlich. Man ist in großer Gefahr, ihm zu glauben, was er sagt. Hinzu kommt, dass er die Gabe hat, anwesend zu sein, ohne bemerkt zu werden. Als besäße er eine Tarnkappe.“ „Und wenn man mit ihm redet, schaut er so merkwürdig in die Ferne. Und weißt du was mich stutzig macht: er hat sich das Pfarrhaus überhaupt nicht angesehen. Ich könnte das noch verstehen, wenn er Single wäre. Aber er ist verheiratet! Jede Frau möchte doch wissen, wie die Küche und das Schlafzimmer einer neuen Wohnung aussehen.“ „Na, vielleicht ist seine Frau auch Agentin,“ antwortet die Jakobuskirche. „Klasse! Ein Agentenpärchen.“ „Du musst schon aufpassen, dass du dich da nicht in etwas Wahnhaftes hinein verstrickst“, gab die Jakobuskirche zu bedenken.

Abschiedsrede von Kurt Bordon

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Lieber Kurt, liebe Gemeinde,

heute ist der Tag gekommen, an dem es gilt ein Geheimnis zu lüften, das zu deinem Schutze und zu deiner Sicherheit nötig geworden ist.

Das Geheimnis hat mit uns beiden zu tun, lieber Kurt. Genauer: es hat mit mir zu tun und damit, dass du meinst zu wissen, wer ich bin. (Und Sie natürlich auch.)

Weißt du noch damals, als ich bei dir wieder in die Kirche eingetreten bin? Und später dann, als du mich eingesegnet hast in meinen Dienst als Pfarrer im Ehrenamt? Das waren alles ganz wichtige vertrauensbildende Maßnahmen. Du solltest dich in Sicherheit wiegen. Du solltest glauben, da findet ein reuiger Sohn in den Schoß der Mutter Kirche zurück.

In Wirklichkeit hatte ich einen Auftrag.

Und mein Auftraggeber – genauer meine Auftraggeberin war niemand anders als - Melitta! Deine Melitta!

Melitta wandte sich an uns, weil sie auf der Suche nach Hilfe war. Sie sagte, sie halte es nicht mehr aus, dass ihr Mann an allem nur das Gute sehen könne. Wenn es regnet, findet er es genau richtig, dass es regnet. Wenn die Sonne scheint, sagt er: habe ich dir nicht gesagt, dass die Sonne scheinen wird. An allen Sommerfesten könne er voraussagen, dass es schönes Wetter gibt. Usw. Sie hätte sich um Psychotherapeuten bemüht, die seien aber ratlos gewesen. So etwas scheinen die nicht zu kennen. So fand ich eines Tages eine Notiz auf meinem Schreibtisch: „verzweifelte Pfarrfrau sucht dringend Hilfe – ihr Mann würde an allem nur das Gute sehen.“

Und jetzt komme ich ins Spiel.

Ich bin in Wirklichkeit Mitglied der GeSchu (Genossenschaft Schutzengel), zuständig insbesondere für Mitarbeiter im Raum der Kirchen. Meine Unterabteilung trägt den Namen UVO (aber mit V in der Mitte): „Abteilung für unverbesserliche Optimisten“. Mein Abteilungsleiter, Erzengel Michael meinte, dass ich mit meinem ewigen Pessimismus gut in diese Abteilung passen würde.

Du kümmerst dich um diesen Pfarrer Kurt Bordon, sagte Michael zu mir. Von dem kannst du noch viel lernen! Vielleicht heilt er dich von deinen düsteren Grübeleien. Ich murrte. Das kann doch nicht wahr sein! Ich hatte eben meine Weiterbildung als Psychotherapeut abgeschlossen und freute mich darauf, Engel mit burn out, Depressionen, Mobbing-konflikten zu behandeln. Ich hatte überhaupt keine Lust, mit diesen Erdlingen zu tun zu haben.

Aber Michael war unerbittlich: Die da unten brauchen Verstärkung. Wir haben dem Kurt Bordon zwar gute Leute an die Seite gestellt, aber die sagen immer wieder, sie seien überlastet. Mit wem muss ich denn zusammenarbeiten? fragte ich. Mit Agentin jubilate vitam und Agent lapis lazuli. Das sind seine Vertrauensleute. Früher war Agentin Martinus-brevis seine Vertrauensfrau, aber die wurde zwischenzeitlich für einen Auftrag nach Indien abgezogen.

Aha sagte ich, und woran erkenne ich meine Kollegen?

Agentin „Jubilate vitam“ heißt undercover „Jutta von Holleben“. Ihr Codewort ist: „Ist das nicht schön?!“

Agent lapis lazuli haben wir undercover ins Griechische übersetzt: „Konrad Peterson“ - du weist schon; lapis Fels, griechisch petros. Ich weiß, ich weiß, sagte ich – Michael neigt dazu, es mit seinen etymologischen Forschungen zu übertreiben. Anders als Petrus, der nur schlecht Latein spricht, und kein griechisch kann. Als Petrus zum ersten Mal seinen Codenamen (petros) hörte, war er stinke sauer. „Petro, petronis“ heißt im Lateinischen nämlich „alter Hammel“.

Doch ich schweife ab.

Hier sind deine Papiere, hieß es noch, und dass ich mich für die Reise bereit machen sollte. Ich hätte zwei Stunden Zeit, meine neue Identität zu studieren. Erst allmählich dämmerte mir, dass sich mein Chef wieder einmal etwas ziemlich Abgefeimtes ausgedacht hatte: Ich sollte ein gewisser Dr. theol. Lothar Malkwitz sein, Psychotherapeut, in zweiter Ehe verheiratet, vier Kinder, aus der Kirche ausgetreten aus steuerlichen Gründen. Offenbar war ich kurz Pfarrer gewesen, hatte aber meine Ordination zurück gegeben. Ich sollte unauffällig an den Gottesdiensten von Pfarrer Bordon teilnehmen und über ihn wieder in die Kirche eintreten; dann sollte ich ebenso unauffällig die evangelische Landeskirche darum bitten, mir meine Ordination zurück zu geben. Weiter solle ich allmählich als Pfarrer im Ehrenamt das Vertrauen des harten Kerns der Jakobusgemeinde gewinnen. Am unauffälligsten sei es, im Jakobuschor mit zu singen (Motto: „Böse Menschen singen keine Lieder!“) und Mitglied des Kirchenvorstands zu werden. Das könne im übrigen nicht so schwer sein, hieß es leicht süffisant. Die haben leicht reden, dachte ich mir.

Am Abend traf ich dann meinen Chef privat in unserer Stammkneipe „zum ewigen Licht“. Damit uns keiner abhören kann, sprechen wir da nur verschlüsselt. Für die anderen Agenten ist das unverständliches Kauderweslch.

Du – Michi“, sag ich, „du – sog amoi – spinnst du oder wos! Des moanst du do ned wirklich, dass i do ois der komische Malkwitz – no dazua mid so an preißischen Nama do zua de Pullacher kema soi! Wo die Bonzenschleidern nimma in de Garagen eini passen und de Klosettschüsseln aus Goild san!“

Ja -scho“, antwortete Erzengel Michael, und nahm einen tiefen Schluck dunkles Bier aus seinem Maßkrug. Und als er wieder auftauchte:

Werst scho seng, des schod dia nix. Da Bordon – des is koa Unrechter ned. Der is do in der Gegend aufg'wachsn, wo's no Vampyre gibt, der is mid de Wölf auf du und du – des is oana, der kennt sie aus in da Natur! Des is ned so a Stoaderer ois wia jez du. I hob das scho g'sogt – von dem konnst no wos lerna!“

Und jetz – los ma mei Ruah! Jeza schaug'n ma uns Fuaßboi o!“

Und damit war das Thema für den Erzengel abgeschlossen.

So haben wir uns also kennen gelernt, lieber Kurt, und sind Freunde geworden. Was für einen Engel gefährlich ist. Ich hoffe, du verzeihst mir und meinen Kollegen und Kolleginnen den kleinen Betrug. Immerhin haben wir uns redlich bemüht, dass alles, was du unternimmst, gut geht. Eben so – wie du es ohnehin vorher sagst.

Natürlich schien an jedem Sommerfest die Sonne. Du kannst mir glauben, es war mühsam, Petrus davon zu überzeugen, dass das Sommerfest der Jakobusgemeinde schönes Wetter benötigt. Petrus ist konservativ – konservativ katholisch. (Nicht römisch – dafür ist – wie gesagt – sein Latein zu schlecht, aber katholisch.) Petrus ist der Meinung, dass die Protestanten eine neumodische und überflüssige Erfindung sind – 1500 Jahre sei es ja auch ohne sie gegangen. Er wisse nicht so recht, wofür man sie brauche. Und mit Argumentieren kommt man bei ihm nicht weiter. Wenn man sagt: Pro-testare heißt: „Zeugnis ablegen für“ - bekommt man die knurrige Antwort: „Lass mich mit deinem Latein in Ruhe. Du weißt genau, das ist nicht meine Sprache! Ich bin ein einfacher Fischer und zum Fischen braucht man kein Latein!“ Aber Petrus ist auch recht gutmütig, so schien eben bei jedem Sommerfest die Sonne.

Auch im KV hast du mir so manche Nuss zu knacken gegeben: z.B. dein ungebrochener Optimismus, was die Finanzen angeht. Dein Optimismus war so stark, dass der Finanzausschuss lange Zeit gar nicht wusste, dass es ihn gibt. (Übrigens: ein Kollege von mir, der sich um das Finanzgebaren des Münchener Kirchengemeindeamtes München kümmern sollte, wurde vor kurzem wegen schweren depressiven Verstimmungen und burn out auf Kur geschickt!)

Oder der Bauausschuss: der wusste zwar, dass es ihn gibt, aber dein strahlender Optimismus machte ihn völlig überflüssig. Du hast dich nicht gescheut, eigenhändig wesentliche Baumaßnahmen durchzuführen. So hast du die lebensgefährliche Stufe im Eingangsbereich der Jakobuskirche mit einer Metallstange zu zieren. Leider waren die versammelten Pessimisten im KV der Meinung, jetzt sei es noch gefährlicher als davor – sie konnten deine handwerkliche Leistung leider nicht angemessen würdigen. Jetzt wurde ein depressives schwarzes Klebeband hingeklebt. Banausen!

Apropos Mitglieder des KV. Es gibt ein altes ungeschriebenes Gesetz, demzufolge du nie sicher sein kannst, mit wem du es zu tun hast. Ich kann mir gut vorstellen, dass noch der eine oder andere Undercover arbeitet. Die Frage ist nur: für welchen Auftraggeber?

So fällt z.B. das unglaubliche Engagement eines Mitglieds für den Blog auf der Website der Jakobuskirche ins Auge. Ich frage mich, ob das chiffrierte Texte sind, die hier weiter gegeben werden. Eine Kollegin möchte mit Kindern und deren Eltern Opernbesuche unternehmen. Frage: geht es wirklich um die Oper – oder um etwas völlig anderes? Eine Kollegin will, dass Taufen im Gottesdienst stattfinden. Wozu – fragt man sich. Ein Kollege und eine Kollegin wollten freiwillig in den Finanzsausschuss: dies ist allein verdächtig genug. Oder: was verbirgt sich hinter den Damen, die jahrelang den Gemeindeempfang im Bürgerhaus vorbereiteten? Die größten Wert darauf legten, Speisen und Getränke zu organisieren? Die genug Zeit hatten, etwas hinein zu mischen. Ein Harmoniepulver vielleicht. Oder unsere Musiker. Wer ist Eujin Kim wirklich? Eine asiatische Topagentin? Steckt sie gar mit unseren Bläsern unter einer Decke? Posaunen brachten schon einmal Mauern zum Einsturz. Vorsicht!

Oder: Was sagt ein so unscheinbarer Name wie „Karl Müller“. Das muss doch ein Code sein! Oder etwas so klein und niedlich Klingendes wie „Brändle“ - steckt dahinter nicht ein großer Brand, und wenn ja, welcher? Oder: die Kollegin, die so scharf darauf ist, den Jugendlichen Angebote zu machen. Mit einem Theater im Keller. Das riecht geradezu nach etwas Subversivem.

Wiederum ein Kollege hat auffällig oft scheinbar beruflich in London zu tun. London – die Hauptstadt der Agenten. Da sage mir keiner, dass das Zufall ist!

Viele Fragen – keine Antworten!

Doch zurück zu dir, Kurt.

Bist du Kurt letztlich nur ein kleines Instrument gewesen – geht es in Wirklichkeit darum, dass unter dem Codewort „Jakobuskirche“ die Weltherrschaft übernommen wird?

Also – traue niemandem.

Auch dir nicht, Kurt!

Wer bist du eigentlich?

Was bedeutet eigentlich der Name „Bordon“? Bist du selbst undercover? Bist du es, der uns am Ende alle täuscht?

Gibt man in Google „Bordon“ ein – dann erfährt man als erstes:

Bordon der Unsterbliche“ - Teil IV des Computerspiel aus der Serie Commander Perkins. Das ist doch kein Zufall! Und die Jakobuskirche ist deine vierte Gemeinde. Teil IV deines Pfarrerlebens.

Aber es kommt noch besser:

Bordon, das ist eine wasserabweisende, mit winddichtem „stormwall“ versehene, in jeder Hinsicht unschlagbare Durastretch Herrenhose. Ihr Einsatz im hochalpinen Bereich ist über das ganze Jahr möglich, da sie aus einem abriebsstarken Materialmix besteht. Zugleich ist sie elastisch, weich und atmungsaktiv.

AHA! So ist das also.

Lieber Kurt,

für uns bist du beides: Bordon der Unsterbliche, Bordon der Wasserabweisende, Winddichte, Atmungsaktive.

Und v.a. bist du ein Materialmix, den man einfach gern haben muss!

Wir danken dir, dass du bei uns Pfarrer warst!

Ich – wir – wünschen dir alles GUTE!

Und dein Geschenk – eine Reise nach Istanbul – ist natürlich wiederum ein Code:

offiziell geht es darum, dass dein Vortrag über die Hagia Sophia uns dazu anregte, dir eine Reise eben dorthin zu schenken, auf dass du selber sehen kannst, worüber du gesprochen hast.

Aber eigentlich – eigentlich wartet in Istanbul ein neuer Auftrag auf dich.

Codewort: „Fru otio tuo cum dignitate!“

Für Petrus ins Deutsche übersetzt: „Genieße deinen wohlverdienten Ruhestand!“

Osterfuge

Osterfuge

 

Er ist nicht hier.

Was sucht ihr

Den Lebendigen

Das Leben

Tod.

Ansprache zum 60 jährigen Bestehen der Jakobuskirche

Von Dr. Lothar Malkwitz

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste unseres Geburtstagskindes Jakobuskirche!

Eigentlich sollte jetzt ein "Toast" auf unsere Jakobuskirche kommen. So war es abgesprochen. Aber – ich muss Sie/euch enttäuschen. Hat nicht geklappt. Unser Geburtstagskind hat nicht mitgespielt.

Jakobusplatz 1, 82049 Pullach, Telefon: 089/793 602 65, Fax: 089/793 602 66, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Pfarramt: Mo, Fr: 8:00 - 11:00 Uhr, Di: 15:00 - 18:00 Uhr.
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