Der Herr sprach zu Isaak:<***> Durch deine Nachkommen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden.
Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.

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Einführung von Pfarrer Martin Zöbeley

„Unser neuer Pfarrer ist in seinem ersten Leben Künstler gewesen, Musiker – er hat Oboe studiert. Das mag ungewöhnlich sein, aber berechtigt noch nicht zu der Annahme, er sei ein Agent. Ich glaube, du liest zu viel Krimis.“ „Sicher? In einem Oboenkoffer kannst du wunderbar eine Waffe mit dir herumtragen – ohne dass irgend jemand Verdacht schöpft! Oder nimm seine Beschäftigung mit alter Musik: Ludwig Senfl, Orlando di Lasso, Georg Rhau, Josquin des Pres. Johann Kaspar Kerll. Ich vermute, das sind alles Decknamen.“ „Dann wäre der Musiker auch under cover gewesen.“ „Ist zu befürchten.“ Zwischen uns breitet sich eine unheimliche Stille aus. „Meinst du die vom LKA wissen Bescheid?“ fragt mich die Kirche aus dieser Stille. „Wie kommst du jetzt auf das LKA?“ frage ich erschrocken. „Na – das Landeskirchenamt!“ „Ach so...“ Ich bin kurz erleichtert. „Na ja – die Breit-Kessler hat ihm angeblich empfohlen, sich für Pullach zu bewerben. Und Groetzner war offenbar sofort damit einverstanden.“ „Oder glaubst du, die stecken alle unter einer Decke?“ frage ich die Jakobuskirche erschrocken. „Und Groetzner ist heute nicht hier, weil ihm der Boden zu heiß geworden ist?“ „Kann sein, muss nicht sein“, sagt sie. Und fügt hinzu: „ Jedenfalls gehört es zu den Talenten eines Topagenten, den Anderen so zu manipulieren, dass er das Gefühl hat, er hätte auch was zu sagen. Das findet man gerade in Tarnorganisationen wie der evangelischen Kirche oft. So wird den Kirchenvorständen z.B. das Gefühl gegeben, sie könnten bei der Neubesetzung einer Pfarrstelle mitreden. Ist natürlich Schwachsinn.“ „Aber – die schreiben doch den Bewerbungstext,“ gebe ich zu Bedenken. „Na klar – das gehört zu den Elementen, den Anderen in Sicherheit zu wiegen,“ antwortet sie. „Da kann opus dei noch einiges von der evangelischen Landeskirche in Bayern lernen! Wir sind ein starker Partner im ökumenischen Dialog.“ „Aha!“ Ich werde nachdenklich.

„Sag mal, du scheinst dich in der Agentenszene ja gut auszukennen?“ „Klar“, sagt sie, „ich bin Pullacherin!“ „Und ich habe deine Rede gehört, als du Kurt Bordon verabschiedet hast.“ „Das geht nicht“, sage ich empört. „Die habe ich im Freien gehalten.“ „Das geht schon“, sagt sie, „Ich wusste schon vorher, was du sagen wirst. Ich habe sie dir nämlich geschrieben!“ „Ich glaube, ich werde verrückt!“ „Werden?“ fragt sie liebevoll. „Wer wärst du denn ohne mich? Ich bin die, die deine Predigten schreibt. Die deine Gedanken denkt. Ohne mich bist du ziemlich aufgeschmissen.“

„Ich finde, unsere Unterhaltung wird immer unerfreulicher...“ brumme ich. „Und jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich bei der Begrüßung unseres neuen Pfarrers sagen soll.“ „Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke...“ antwortete die Jakobuskirche. „Wie kommst du jetzt da da drauf?“ frage ich erstaunt. „Das ist einer meiner Lieblingstexte.“ „Weiß ich!“ sagt sie. (Klar wusste sie es!) „Dann halte dich auch daran! Es genügt vollständig, wenn du Herrn Zöbeley als neuen Pfarrer willkommen heißt. Du musst ihn nicht rühmen und du musst euch nicht rühmen. Lasst euch vielmehr leiten von jener Macht, die stets dazwischen wirkt. Lasst euch überraschen von dem, was es zu erleben gilt. Lasst euch ohne Vor-Verurteilungen ein auf das, was sich entwickeln wird.“ „Ich finde, du solltest den Toast auf unseren neuen Pfarrer aussprechen. Du kannst das besser als ich!“ „Mach das nur selber! Du musst ja niemand sagen, wer deine Ghostwirterin ist! „Und noch ein Tip: lies nicht so viele Agentenbücher.“

Damit schien die Unterhaltung zuende.

Ich bin dann ziemlich belämmert nach Hause gegangen. Im Rausgehen meinte ich noch ein Lachen zu hören und eine andere mir irgendwo her bekannte Stimme. Offensichtlich benutzte sie dieselbe Chiffrierung, wie ich. Sie sagte: „Jetz host das eahm zoagt, wo da Bartl an Most hoid! Aba des schod eam goar nix. De G#studierten moana imma, sie wissad'n ois bessa...“ Mehr verstand ich nicht und mehr wollte ich auch gar nicht mehr verstehen. Ja so war das. Also – dann: lassen Sie unser Glas erheben und uns rühmen dessen, der da war, der da ist und der da kommt! Wer auch immer Sie in Wirklichkeit sind, für wen auch immer Sie in Wirklichkeit arbeiten:

Herzlich willkommen in der Pullacher Jakobusgemeinde, Herr Pfarrer Zöbeley!

 

 

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